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AUSSTELLUNG – CAROLIN JÖRG "SCHLICHTER TON"

Finissage: Sonntag, 18. Juli, 11 – 13 Uhr
Ausstellungsdauer: 27. Juni – 18. Juli 2021

Führung durch die Ausstellung um 11:30 Uhr

Anlässlich der Finissage der aktuellen Ausstellung von Carolin Jörg führt Jessica Twitchell, die das Projekt von Anfang bis Ende betreut hat, durch die Ausstellung und gibt Einblicke in die verschiedenen Produktionsschritte. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Im Ausstellungsraum besteht Maskenpflicht.

 

In schwarzer Tusche auf DIN A4 Papier näherte sich die Künstlerin Carolin Jörg während Ihrer Residenz skizzenhaft der Motivik ihres direkten Umfelds an und abstrahierte sie spontan wie intuitiv. Dabei prägten sowohl die Stimmung der verschneiten Schwarzwälder Wintermonate als auch strukturelle Charakteristika der Stadt die hier entstandenen, schemenhaften Zeichnungen und zeigen z.B. den Wald, Schornsteine, Straßenzüge und der Architektur. Jörgs Blick aus der Friedrichstrasse 5a heraus „auf“ die Bergstadt ist dabei formell und analytisch und findet in dem spannungsreich komponierten Zusammenspiel aus schwarzen Linien, gleichermaßen schwarzen Farbfeldern und dem einheitlichen Papierformat ihre grafisch pointierte Übersetzung.

In einem nächsten Arbeits- und Abstraktionsschritt erschloss sich die Künstlerin ein für sie bislang neues Material und überführte ihre zweidimensionalen Skizzen in dreidimensionale Objekte aus schwarzer Tonerde, die sie im Anschluss glasierte. Sie stehen mal in einem maßstabsgetreuen, mal in einem überproportionalen Verhältnis zur Zeichnung und wirken im Gegensatz zu den eher formalästhetisch reduzierten Zeichnungen überaus organisch, ja sinnlich. Diese gesteigerte Vitalität Jörgs haptischer Tonplastiken beschreibt die Künstlerin selbst als „lüstern“, und in der Tat können darin phallische oder feminin anmutende Strukturen in und auf den Plastiken ausgemacht werden, die die gestalterische Eigenständigkeit dieser im zweiten Arbeitsschritt potenzierten Abstraktion zusätzlich zu unterstreichen scheinen.

In der Ausstellungsinstallation schließt sich der Kreislauf der künstlerischen Abstraktion: Die Tonplastiken werden auf sogenannten Buchsbaumhauben platziert, mit denen die Stadt St. Georgen in den Wintermonaten die Büsche der öffentlichen Begrünung schützt, deren Funktion im Sommer und während der Ausstellung jedoch hinfällig ist. So verschmelzen die dann eigentlich auf dem Bauhofgelände eingelagerten Hauben in Jörgs Installation mit ihrer Kunst.

Zugleich verschwimmen in Carolin Jörgs Arbeit und insbesondere in ihren Projekten in St. Georgen die Prozesse und Ebenen der Rezeption im Verhältnis zur Produktion. Funktionalität reiht sich neben künstlerische Interpretation und Gestaltungswille.

"SUPER SPREADER ZEICHEN PROJEKT"

Als weiteres, partizipatives Projekt lancierte Carolin Jörg das „SUPER SPREADER ZEICHEN PROJEKT“: ein Kettenbrief, übersetzt ins Medium der Zeichnung.

Beginnend mit drei Zeichnungen der Künstlerin verteilte sich „Zeichnen“ pandemisch-exponentiell, quasi mit dem Reproduktionswert r=3, in und um St. Georgen. Denn im Rahmen ihres Projekts war jeder, der selbst eine Zeichnung von Carolin Jörg oder dem jeweiligen „Vorzeichner“ erhielt angehalten, auf 3 DIN A 4 Blättern jeweils eine spontane Zeichnung anzufertigen und diese weiterzureichen. Die jeweilige Zeichnung sollte in nur 3 Minuten – also relativ spontan – abgeschlossen werden. Als Zeichenmittel war alles erlaubt, das auf dem Papier „eine Spur hinterlässt“, so die Künstlerin. So vermehrte sich jede erhaltene Zeichnung, die ihrerseits zurück an den Kunstverein Global Forest gesandt und hier gesammelt wurde, um den Faktor 3 und wurde zum Ausgangspunkt für die eigenen Zeichnungen; jede Eigene wiederum zur Inspirationsquelle für die jeweils Nächsten…

Carolin Jörgs Ziel dabei war es, sich und die Menschen St. Georgens auf pandemie-konforme Weise zu vernetzen und mit ihnen zu interagieren. Sowohl dem kulturellen Stillstand als auch der zwischenmenschlichen Leerstelle sollte dabei etwas entgegengehalten werden, nachdem die Künstlerin die Situation des stark isolierenden „Lock-Downs“ selbst als belastend empfunden hatte und alternative Wege des Austausches mit ihrem Umfeld suchte.

Aus den zunächst 3 Tuschzeichnungen Jörgs wurden schließlich über 80 Zeichnungen, die jeweils einen ganz speziellen Ort in St. Georgen markieren, ihren Entstehungsort, der durch die Absender-Adresse dokumentiert ist. In der Ausstellung werden sowohl die gesammelten Zeichnungen ausgestellt als auch das Reproduktionsnetzwerk durch die Künstlerin in einer Wandarbeit abgebildet. So kann die rhizomere Nachverfolgung individuell vollzogen werden; abstrakte, wissenschaftlich oder mathematische Konstrukte, wie der „Reproduktionswert“ oder „Exponentielles Wachstum“, werden zurück auf die Erfahrungsebene übertragen.

Viele am Projekt teilhabenden BürgerInnen St. Georgens haben sich bei ihrem Besuch der Vernissage ihre eigene Zeichnung bereits abgeholt. Während der Finissage ist dies selbstverständlich gleichermaßen möglich.

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